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Region Nordrhein-Westfalen
Ort Münster
Institution Universitäts- und Landesbibliothek Münster  GND  Wikipedia
Adresse Krummer Timpen 3. 48143 Münster
Webadresse der Institution http://www.ulb.uni-muenster.de
Webadresse der Sammlung http://www.ulb.uni-muenster.de/sammlungen/nachlaesse/sammlung-kriegsberichte.html
Ansprechpartner Reinhard Feldmann
Auskunft am 20121123
Ort der Sammlung 1917 Münster
Sammlung 1917 Deutschland <Deutsches Reich> / Armeekorps 7 / Stellvertretendes Generalkommando   GND  Wikipedia
Adresse der Sammlung 1917 Bispinghof 24-25
Leiter der Sammlung Meister, Aloys  GND  Wikipedia
Beschreibung bei Buddecke Münster. Kriegsnachrichten-Sammelstelle des VII. Armee-Korps.
Leiter: Univ.-Prof. Dr. Meister.
In erster Linie werden Kriegsbriefe und Kriegstagebücher (meist Abschriften) gesammelt. 2400 Nummern vorhanden. Dazu Schlagwortkatalog, Personenverzeichnis, Truppenverzeichnis, chronologische Tabelle.
Webadresse von Buddecke http://s2w.hbz-nrw.de/llb/urn/urn:nbn:de:hbz:51:1-7685
Seite 40
Erhaltung Die Sammlung ist erhalten.
Angaben zum Bestand Die Sammlung Kriegsberichte geht auf eine Initiative des münsterischen Professors für Geschichtswissenschaft, Aloys Meister (1866-1925) zurück. Am 14. Juli 1915 wurde die Kriegsnachrichten-Sammelstelle des VII. Armeekorps eingerichtet. Sie reiht sich ein in die Bemühungen, die schon vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs bestanden, indem im Jahre 1911 ein Ministerialerlass die preußischen Universitätsbibliotheken sowie die Königliche Bibliothek in Berlin aufforderten, für ihren jeweiligen Bezirk Kriegsbriefe zu den Kriegen 1864, 1866 und 1870/71 zu sammeln. Diese Anstrengung zur Sicherung von authentischen Zeugnissen in Form von Briefen erging auch 1915 wieder. Wie wichtig die Angelegenheit genommen wurde, belegt der Aufruf zur Sammlung von Feldzugsbriefen, Kriegstagebüchern und sonstigen schriftlichen Kriegsnachrichten des kommandierenden Generals des VII. Korps. Die Zusendung an die Sammelstelle konnte sogar portofrei mit der Aufschrift Heeressache erfolgen. Die Geschäftsstelle war am Historischen Seminar der Universität angesiedelt. Hier wurden die eingehenden Briefe auf Brauchbarkeit geprüft, danach wurden die wertlosen zurückgesandt, die besseren zum Abschreiben verteilt. Zwar konstatiert die Sammelstelle, dass in den Jahren 1915/16 auch sehr viele Briefe in gedruckten Editionen veröffentlicht worden sind, weist aber darauf hin, dass die Veröffentlichungen der Zensur unterliegen. Explizit sollten die Briefe der Sammelstelle (zunächst) nicht veröffentlicht werden, sondern als Kriegsarchiv dienen: Für unsere Sammlung dagegen handelt es sich allein um wissenschaftliche Ziele und deshalb soll ihre Verwertung erst längere Zeit nach dem Krieg in Frage kommen. (Quelle: UA Münster, Bestand 4, Nummer 1312). Die Sammlung wurde komplett an die Universitätsbibliothek Münster abgegeben.
erhaltene Bestände Briefe, handschriftlich
Umfang der erhaltenen Bestände Die Sammlung enthält in 6 Kapseln ca. 600 Dokumente.
Aufstellung Die Sammlung ist geschlossen aufgestellt.
Sammlungssignatur(en) Sammlung Kriegsberichte
Quellen zur Geschichte der Sammlung sind vorhanden
Inventarisierung Die Sammlung Kriegsberichte ist inventarisiert.
Datum der Inventarisierung 2009
Inventarbücher Findliste online
Aktenmaterial Die Akten der Stellvertretenden Generalkommandos sind zusammen mit dem Schriftgut der ehemaligen Preußischen Armee durch Kriegseinwirkung 1945 im Heeresarchiv in Potsdam, bis auf wenige erhaltene Aktenreste, verbrannt. Im Universitätsarchiv Münster existieren Unterlagen zur Sammlung.
Ort des Aktenmaterials Universitätsarchiv Münster
Materialbeschaffung Aussagen zur Materialbeschaffung sind nicht möglich.
Vereinigung der Weltkriegssammler Die Sammlung war nicht Mitglied in der Vereinigung der Weltkriegssammler.
Verband deutscher Kriegssammlungen Die Sammlung war nicht Mitglied im Verband deutscher Kriegssammlungen.
Zeitgenössische Berichte über die Sammlung Zur Einrichtung der Sammelstelle und zum Selbstverständnis vgl. die Stellungnahme des damaligen Leiters Aloys Meister: Die Kriegsnachrichten-Sammelstelle des VII. A.-K. an der Universität Münster (1915).
Zur Geschichte der Sammlung Aloys Meister berichtet: "Durch einen Erlaß Sr. Exzellenz des kommandierenden Generals Frhrn. v. Gayl vom 14. Juli 1915 wurde der Sammelstelle der Charakter einer militärischen Behörde erteilt unter dem Titel 'Kriegsnachrichten-Sammelstelle des VII. Armeekorps'. Ein Aufruf zur Sammlung erging alsbald amtlich an die geistlichen und weltlichen Behörden des Korpsbezirks [...]; die Herren Landräte, Bürgermeister und Gemeindevorsteher wurden aufgefordert, an den einzelnen Orten Vertrauensmänner aufzustellen, deren Aufgabe es sein sollte, interessante Feldbriefe und Tagebücher ausfindig zu machen und an die Sammelstelle einzusenden. Die Einsendung erfolgt portofrei unter der Aufschrift 'Heeressache'. Die Vertrauensmänner haben in ihrer Heimat vor allem eine Werbetätigkeit zu entfalten, sie nehmen aber auch eine erste Sichtung vor, so daß nur das nach ihrem Ermessen bessere Material abgeschickt wird.
Eine zweite Ausscheidung erfolgt in Münster durch kritische Prüfung von seiten einiger Universitätsprofessoren, die sich freiwillig für diese Arbeit zur Verfügung gestellt haben. Sie bestimmen, was als belanglos zurückgeschickt werden, und was abgeschrieben, bzw. welche Stellen kopiert und aufbewahrt werden sollen.
Die Kriegsnachrichtenstelle ist eingerichtet im Historischen Seminar der Universität. Dort wird die tägliche Registratur und archivalische Tätigkeit unter Leitung des Berichterstatters von zwei dazu abkommandierten garnisondienstpflichtigen Akademikern und mehreren studierenden Damen und Herren besorgt, die opferfreudig ihre Zeit und Arbeit in den Dienst dieser vaterländischen Aufgabe gestellt haben. Unter ihren fleißigen Händen entsteht ein Kriegsarchiv, dessen Bedeutung für die Zukunft nicht zu unterschätzen ist. Ein kriegsbeschädigter, nur noch garnisondienstfähiger Leutnant, ebenfalls Student unserer Universität, bearbeitet für das spätere große Generalstabswerk den Inhalt der Briefe nach der Seite der militärisch wichtigen Fragen. [...]
Der einzelne Brief bietet vielleicht wenig, für das Auge des Laien kaum erkennbares Material. Aber zusammengestellt mit vielen anderen erhält er seinen Wert, verdichtet er eine Anschauung, zerstreut er einen Irrtum, beleuchtet er ein Ereignis. Je größere Mengen von Briefen aus diesem Kriege in solchen Sammelstellen zusammenströmen, desto objektiver kann später einmal die Geschichtsschreibung sagen, was in den großen Tagen von 1914 unser Volk erfüllt, was in der Ausdehnung der Kriegszeit auf die Jahre 1915 und 1916 widerstreitend und was einheitlich die Brust aller Deutschen bewegt hat.
Waren wir kriegerisch gesinnt oder friedlich, heroisch und opferbereit oder resigniert und kleinmütig? Waren wir erfüllt von starkem Gottvertrauen im Bewusstsein von der Gerechtigkeit unserer Sache oder nagte der Zweifel am Herzen des Volkes? Wurden wir dahingeschleppt als blöde Opfer des Militarismus oder waren es die edelsten vaterländischen Regungen des freien Mannes, dem Pflichtgefühl etwas Selbstverständliches ist, die alle Unterschiede schwinden ließen in gemeinsamem großen Aufwallen vor der Schmach, die uns zugedacht war? Diese und viele anderen [sic] Fragen wird sich dereinst in späten Zeiten die Zukunft stellen und sie findet Antwort darauf allein in den zahllosen Briefen, in denen das Volk unter erhöhten Pulsschlägen sich vertraulich äußerte. In diesen Briefen, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren, in denen Mann und Frau, Kinder und Eltern, Freunde und Verwandte, Vorgesetzte und Untergebene mit einander reden, schreibt in einer so hochbewegten Zeit, wo das Alltägliche Ewigkeitswert erhält, das Volk seine Annalen.
Deshalb ist es so dringend nötig, daß jeder inhaltsreichere Brief einer der bestehenden Sammelstellen eingeschickt werde, damit er dort erhalten wird. Die Kriegsnachrichten-Sammelstelle an der Universität Münster ist in Westfalen noch viel zu wenig bekannt. Zweck dieser Zeilen ist daher u.a., auch die Geschichtsfreunde, die diese Zeitschrift 'Westfalen' lesen, darauf aufmerksam zu machen und sie zu bitten, in den Feldpostbriefen der eigenen Familie oder bei Bekannten Umschau zu halten und Einiges einzusenden. Originale werden, nachdem sie bearbeitet sind, zurückgegeben; es genügt aber die Einsendung einer Abschrift - unter Auslassung familiärer Mitteilungen -, wenn der Einsender erklärt, daß er die Abschrift mit dem Original verglichen und richtig befunden hat. Wer eine Schreibmaschine zur Verfügung hat, wird gebeten, noch zwei Durchschläge mitzuschicken.
Möge allseitige, opferwillige Hilfe dieser für die spätere Geschichtschreibung so wichtigen Sache sich zuwenden. Nehme sich jeder vor, der diesen Bericht liest, mindestens fünf Briefe einzuliefern, dann käme schon eine hübsche Zahl zusammen, die einen tiefen Einblick gestattete in die Volksseele unserer großen und schweren Zeit."
Erschließung Die Sammlung ist erschlossen.
Datum der Erschließung 2009
separater zeitgenössischer Katalog ist nicht erhalten
aktueller Nachweis: Findbücher Nachweis in einem Online-Findbuch
Findbuch Online-Findbuch Sammlung Kriegsberichte
Webadresse des Findbuches http://miami.uni-muenster.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-5068/kriegsberichte.pdf
Literatur zur Sammlung Meister, Aloys: Die Kriegsnachrichten-Sammelstelle des VII. A.-K. an der Universität Münster. In: Westfalen. Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens und des Landes-Museums der Provinz Westfalen 8 (1916) H. 2, S. 61-65. 
http://sammlungen.ulb.uni-muenster.de/urn/urn:nbn:de:hbz:6:1-85475
Autor des Datensatzes Julia Freifrau Hiller von Gaertringen
Stand der Erfassung 11.01.2014

Kriegssammlungen in Deutschland 1914-1918 / Hrsg. von der Arbeitsgemeinschaft der Regionalbibliotheken im Deutschen Bibliotheksverband. Bearb. von Julia Freifrau Hiller von Gaertringen und Aibe-Marlene Gerdes.
Karlsruhe: Badische Landesbibliothek 2014. URL: www.kriegssammlungen.de